Essen – Probleme im britischen Geschäft haben dem vor der Zerschlagung stehenden Energiekonzern Innogy die Bilanz verhagelt.

Abschreibungen in einer Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro auf die britische Tochter Npower brockten dem Essener Konzern 2018 nach Anteilen Dritter einen Verlust von 653 Millionen Euro ein – vor Jahresfrist stand hier noch ein Gewinn von 778 Millionen Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank wie vom Markt erwartet auf 2,6 (2,8) Milliarden Euro, wie Innogy am Mittwoch mitteilte. Die Dividende wurde auf 1,40 (Vorjahr: 1,60) Euro je Aktie gekürzt.

Für das laufende Jahr erwartet Innogy weitere Belastungen aus Großbritannien – und auch Ergebnisbeiträge durch das verkaufte Gasnetzgeschäft in Tschechien fallen weg. Das bereinigte Ebit werde deshalb auf rund 2,3 Milliarden Euro und das bereinigte Nettoergebnis auf rund 850 Millionen Euro schrumpfen.

Innogy hatte die kriselnde britische Tochter eigentlich mit dem Konkurrenten SSE zusammenlegen wollen. Doch die Fusionspläne platzten. Innogy hatten deshalb bereits die Prognose für 2018 zusammenstreichen müssen – und eine Belastung in Höhe von 250 Millionen Euro für 2019 angekündigt. Im Vertriebsgeschäft soll der operative Ertrag deshalb 2019 weiter sinken, besser soll es dagegen im Geschäft mit Erneuerbaren Energien laufen.

Innogy will den englischen Patienten nach der gescheiterten Fusion nun selbst kurieren. “Wir machen jetzt erstmal alleine unsere Hausaufgaben”, hatte Vertriebsvorstand Martin Herrmann im Februar der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Weitere 900 der 6300 Stellen bei der Tochter sollen in diesem Jahr wegfallen. Die Kosten müssten weiter gesenkt werden, betonte Herrmann. Der britische Markt ist hart umkämpft, zudem macht den Versorgern auch eine zunehmende Regulierung zu schaffen. So hatte die Regierung einen Preisdeckel eingeführt. Innogy versorgt auf der Insel mehr als vier Millionen Kunden mit Strom und Gas.

Im März 2018 hatten der Innogy-Mutterkonzern RWE und E.ON bekannt gegeben, die erst 2016 gestartete Ökostrom-Tochter zu zerschlagen. “Die von E.ON und RWE angekündigte Transaktion hat uns im Frühjahr überrascht und war für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alles andere als eine gute Nachricht” sagte Innogy-Chef Uwe Tigges. Während RWE für die Übernahme der Ökostromgeschäfte von Innogy und der von E.ON bereits grünes Licht erhalten hat, muss sich E.ON-Chef Johannes Teyssen noch gedulden. Die EU-Kommission hatte zuletzt Bedenken gegen die Übernahme der Vertriebs- und Netzgeschäfte von Innogy durch E.ON angemeldet und leitete eine vertiefte Prüfung ein.