Ermittler wollen bald über Anklagen im VW-Dieselskandal entscheiden
Ermittler wollen bald über Anklagen im VW-Dieselskandal entscheiden

In den strafrechtlichen Ermittlungen wegen des Dieselskandals von Volkswagen rechnet die Staatsanwalt Braunschweig nach Ostern mit ersten Entscheidungen, ob Anklage erhoben wird.

“Das Ganze wird virulent, wenn alle Einlassungen vorliegen und abgearbeitet worden sind”, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe am Dienstag. Das halte er nicht vor Mai, Juni für wahrscheinlich. Ziehe sagte, er rechne angesichts der großen Zahl an Beschuldigten wegen der Diesel-Manipulation damit, dass gruppenweise entschieden werde. “Man kann schlechterdings nicht 40 Leute mit einem Mal bedienen.” Das könne sich bis in den Herbst hinziehen. Unter den Beschuldigten ist auch der frühere Konzernchef Martin Winterkorn. Er war nach Bekanntwerden der Abgasaffäre vor dreieinhalb Jahren zurückgetreten.

“Es kann Anklagen, Strafbefehle und Einstellungen geben”, sagte Ziehe weiter und fügte hinzu: “Das ist ein offenes Feld.” Beim zweiten Ermittlungskomplex, dem Vorwurf der Marktmanipulation, werde voraussichtlich “in einem Zug entschieden”. Grundlage des Vorwurfs ist der Verdacht, dass Volkswagen seine Aktionäre zu spät über den Dieselskandal informiert hat. Die Ermittlungen richten sich gegen Winterkorn sowie gegen den früheren Finanzvorstand und jetzigen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Konzernchef Herbert Diess, der bei Bekanntwerden des Skandals die Hauptmarke VW leitete. Volkswagen hatte im September 2015 erst auf Druck der amerikanischen Umweltbehörden zugegeben, Dieselabgase mit einer speziellen Softwarefunktion manipuliert zu haben. Die Wiedergutmachung hat den Konzern bisher 29 Milliarden Euro gekostet.