Autozulieferer bedauern Rücktritt von VDA-Präsident Mattes

Autozulieferer bedauern Rücktritt von VDA-Präsident Mattes

Die drei großen Autozulieferer Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen haben enttäuscht auf den Rücktritt des Präsidenten des Autoverbands VDA, Bernhard Mattes, reagiert.

“Ich bedauere den Rücktritt von Herrn Mattes”, erklärte Bosch-Chef Volkmar Denner am Freitag. In einer Zeit großer Umbrüche habe sich Mattes an den Bedürfnissen der gesamten Industrie – also den verschiedenen Autoherstellern und Zulieferern – orientiert. Mit der Öffnung des VDA für einen offenen Austausch mit den autokritischen Klimaschutzaktivisten habe Mattes zuletzt einen wichtigen Impuls gesetzt. “Auf diesem Weg sollten wir voranschreiten”, ergänzte Denner.

ZF Friedrichshafen sei überrascht von dem Rücktritt, sagte ein Sprecher des drittgrößten deutschen Autozulieferers. “Wir bedauern es sehr, dass Herr Mattes zurückgetreten ist, und wir glauben, dass wir in diesen Zeiten einen starken Verband brauchen für die deutsche Autoindustrie.” Continental-Chef Elmar Degenhart hatte sich am Donnerstagabend schon ähnlich geäußert. Mattes habe “versucht, dem Verband eine einheitliche Stimme zu geben – und das zu einem Zeitpunkt, in dem Wirtschaft, Gesellschaft und Politik einen extrem hohen Anspruch an unsere Industrie stellen.” Die Autoindustrie steckt gerade im tiefsten Umbruch ihrer Geschichte – die Umstellung auf Elektroautos, autonomes Fahren und digitale Dienste verschlingt zig Milliarden, während zusätzlich der globale Abschwung der Branche am Gewinn nagt.

Der VDA-Präsident hatte am Donnerstag – wenige Stunden, nachdem er die vom Verband veranstaltete “Internationale Automobilausstellung” (IAA) in Frankfurt eröffnet hatte – seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt. Er wolle sich neuen Aufgaben zuwenden, hieß es in einer knappen Erklärung. Von den Autobauern hatte auch Daimler Bedauern über diesen Schritt geäußert. BMW bedankte sich bei Mattes. “Als Mitgliedsunternehmen sind wir weiterhin an einem personell und inhaltlich stark positionierten Verband interessiert”, erklärte BMW. Volkswagen wollte keinen Kommentar abgeben.

INSIDER: VOLKSWAGEN WAR GEGEN MATTES

Mattes hatte erst im Frühjahr 2018 den früheren Bundesverkehrsminister und CDU-Politiker Matthias Wissmann als obersten Autolobbyisten abgelöst. Damals war den Autokonzernen nach Branchenkreisen daran gelegen, keinen Politiker mehr ihre Interessen vertreten zu lassen, sondern einen Automanager aus ihren Reihen. Mattes war lange Deutschland-Chef des US-Autobauers Ford und zuvor bei BMW. Drei Insidern zufolge war es jetzt vor allem Volkswagen-Chef Herbert Diess, der mit Mattes nicht zufrieden war. “Volkswagen hat eine Leitfunktion im VDA übernommen”, sagte einer von ihnen. In den vergangenen Monaten hatten “Manager Magazin” und “Der Spiegel” unter Berufung auf Industriekreise darüber berichtet, dass VW Mattes nicht mehr wolle. Zwei Personen mit Kenntnis der Vorgänge sagten, Mattes habe jetzt hingeschmissen, weil ein Headhunter mit der Suche nach einem neuen VDA-Präsidenten beauftragt worden sei. Einer der Insider sagte, Volkswagen habe dies in Auftrag gegeben. Auch dazu äußerte sich der VW-Konzern nicht.

Unter den drei Autokonzernen VW, Daimler und BMW war im Frühjahr offener Streit über die Strategie beim Umschwung zu klimafreundlichen Antrieben ausgebrochen. VW-Chef Diess will in den kommenden Jahren ausschließlich auf Batterie-Elektrik setzen und dafür mehr staatliche Förderung erreichen. Die Premiumhersteller aus Stuttgart und München halten dagegen an Hybridmotoren fest, um ihre schweren Oberklassewagen noch länger verkaufen zu können. Dieser Streit sei noch nicht ausgestanden, sagte einer der Insider.

In Medienberichten wird Günther Oettinger (CDU) – bis vor Kurzem EU-Kommissar und früher Ministerpräsident von Baden-Württemberg – als Nachfolger für den Posten gehandelt. Er gilt als gut vernetzt und steht der Autoindustrie nahe. In Brüssel war er für die Ressorts Energie, Digitales und EU-Haushalt zuständig. Allerdings könnte Oettinger der Verhaltenskodex der EU-Kommission in die Quere kommen. Dieser erfordert eine Karenzzeit von zwei Jahren zwischen dem politischen Amt und einem privatwirtschaftlichen Posten. In dieser Zeit darf es zu keinen Interessenkonflikten kommen. Oettinger selbst erklärte gegenüber “Stuttgarter Zeitung” und “Stuttgarter Nachrichten”, er wolle nach dem Ende seines Mandats im Oktober seinen Einstieg in die Politikberatung vorantreiben. “Ich bin bisher für den Posten nicht gefragt worden”, sagte er auf die Frage nach einem Wechsel an die Spitze des VDA.

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